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Insel: 180 Kilometer von der französischen und 83 Kilometer
von der italienischen Küste entfernt, im Mittelmeer ragt ein 8682
Quadratkilometer großer Fels aus dem Wasser.
Die Griechen nannten sie "Kallista" - die Schöne. Die Genuesen, denen die Insel im 14 Jahrhundert gehörte,
erkannten anscheinend die Schönheit der Insel nicht und verkauften sie 1769 an Frankreich.
Der Führer der Korsischen Unabhängigkeitsbewegung Pascal Paoli
übergab die Insel 1793 an England.
Der Korse Napoleon Bonaparte, der 1769 auf Korsika geboren wurde und der französischen Republik diente,
wiedersetzte sich dieser Handlung und bewirkte, dass Korsika Teil des
französischen Staatsgebietes wurde.
So blieb es bis heute und der politisch geschichtlichen Abhandlungen sei damit auch genüge getan.
Transkorsika Eisenbahn - Geschichte
Die Industrialisierung erfasste Ende des 19. Jahrhunderts auch abgelegene
Gebiete. Mit der Hoffnung auf wirtschaftliches Wachstum und mit Blick
auf strategische Belange sollte es auch auf Korsika eine Eisenbahn geben.
1878 waren die Planungen für eine Eisenbahn in der Spurweite 1000
Millimeter abgeschlossen und der Bau konnte beginnen.
20.000 Arbeiter schufen mit Spitzhacken, Sprengstoff, Schweiß und
Blut eine Eisenbahn die damals ein ingeneurtechnisches Glanzstück
darstellte und von denen heute nur noch wenige existieren.
Baumaterial und Verpflegung wurde mit Maultieren in die unwegsame Bergwelt
gebracht.
Prozesse gegen Grundbesitzer und Demonstrationen gegen die Bahn verzögerten
die Arbeiten immer wieder.
Gegen die Besitzer der Reisekoffer-Post-Beförderungsmittels steigen
Maultiertreiber und Fuhrmänner auf die Barrikaden, da sie um ihre
Existenz fürchteten.
Technischer Fortschritt lässt sich jedoch mit Protesten und Prozessen
nicht aufhalten und so wurden 1888 die ersten beiden Strecken erföffnet.
Die im 2. Weltkrieg völlig zerstörte Strecke an der Ostküste
bis Porto Vecchio wurde 1935 fertig.
Geplant war auch eine Verlängerung bis Bonifacio im Süden und
Ersa am Cap Corse.
Die Kriegsverluste waren beträchtlich: 25 Personenwagen, 250 Güterwagen,
4 Lokschuppen und 3 Triebwagen wurden Opfer der Kampfhandlungen. Das diese
Verluste nicht wieder ausgegelichen wurden, ist der steigenden Bedeutung
des Autos, aber auch dem Verwaltungschaos zuzuschreiben.
Der Staat hat zwar die Baukosten übernommem, die Verwaltung aber
immer wieder in private Hände gegeben.
Nach dem die Bahngesellschaft ab 1970 immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten
geriet, sollte sie 1982 stillgelegt werden.
Proteste der Inselbewohner die auf ihren "U Trigihellu" (Der Zitternde)
nicht verzichten wollten, verhinderten dies.
In der Folge wurde 1983 die Chemins de fer de la Corse (CFC), ein
Tochterunternehmen der SNCF gegründet. Nach der Stillegung einer
Zweigstrecke in den 40´er Jahren beträgt die Streckenlänge
heute 231 Kilometer.
Es gab sogar Pläne zur Umspurung auf Normalspur, welche jedoch nie
in die Tat umgesetzt wurden.
Mitte der 80´er Jahre wurden dann aber endlich 20 Millionen Franc
in die Erneuerung des Bahnkörpers und neue Fahrzeuge investiert.
Der Einsatz von Dampflokomotiven endete in den 50´er Jahren. Das
heute älteste Fahrzeug ist ein Billard Triebwagen Nr 503, von 1939,
der jedoch nur noch auf den Werkstattgelände eingesetzt wird.
Die Triebwagen 201-208 von 1945 sind in rot/beige lackiert und verkehren
im Sommer auf der Balagneroute. Mit den 305 PS starken Motoren können
sie es auch heute noch mit den Fahrzeugen der X 2001 - 2005 Serie der
Baujahre 1975 und 1976 aufnehmen.
1981 wurden 500 PS starke Triebwagen der X 5001 - 5002 Serie angeschafft.
Die neuesten Modelle stammen von 1989/90 und kosten 11 Millionen Franc
pro Stück.
Die Ersatzteilbeschaffung für die Altfahrzeuge wird immer schwieriger.
Von den 31 Technikern im "Hospital" in Casamozza ist deshalb Improvisationstalent
gefragt.
Viele Oldtimer rosten scheinbar unbeachtet vor sich hin, doch von ihnen
kann man doch einmal eine Tür oder nach einem Unfall gleich ein ganzes
Heck gebrauchen. Am Rand türmen sich die Fahrgestelle. Sie sind unentbehrlich,
da auch jede Neuanschaffung auf Schmalspur umgerüstet werden muss.
Von Bastia an der Ostküste ausgehend, verbindet sie via Ponte Leccia,
die Hafenstädte Ajaccio an der Westküste und eine Zweigstecke
erreicht Calvi an der Nordküste.
Die 73 Kilometer lange Teilstrecke von Ponte Leccia nach Calvi wird mehrmals
täglich bedient. Öfter jedoch ist die Bahn auf den 22 Kilometern
zwischen Calvi und L'IIe-Rousse unterwegs.
Die dort verkehrende "Tramway de la Balagne" ist eine Art Bäderbahn,
die die Strände an bis zu 21 Orten und Haltepunkten im Sommer
15mal und im Winter zehnmal täglich miteinander verbindet. Auf der
spektakulären, 158 Kilometer langen Strecke nach Ajaccio, müht
sich der Dieseltriebwagen bis zu 30 Promille Steigungen hinauf.
Der Scheitelpunkt der Strecke befindet sich 906 Meter hoch über dem
Meer in der Nähe von Vizzavona.
Er schaukelt uuml;ber 51 Brücken die mehrfach den Fluß
Golo überqueren. Besonders hervorzuheben ist die imposante
Brücke vor Vivario, die von Gustav Eiffel geplant und gebaut wurde.
Felsmassive werden von 43 Tunnels durchbohrt und wo kein Raum für
einen Bahndamm war, heften sich Gallerien an die Felshänge Einige
sind so marode, dass sie nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden
können.
Der schönste Streckenabschnitt liegt zwischen der alten Hauptstadt
Corte und Ajaccio.
Für das vier Stunden lange Erlebnis Bastia - Ajaccio zahlt man etwa
20 €.
1/3 des Fahrpreise fließt weiterhin in die Erhaltung der Eisenbahn.
zeitgenössisch:
Die Korsen lieben ihren "Trinichello", den kleine Zug. Sie schätzen
ihn auch als den menschlichsten Zug, setzen sich aber bequemerweise in
ihr Auto aber immer mit dem festen Vorsatz: "Man müsste mal wieder
mit dem Zug fahren".
Als Besucher der Insel sollte man diesen Vorsatz in jedem Fall in die
Tat umsetzen,denn auf keine andere Art kann man in kürzerer Zeit
und preiswerter die schönsten und unzugänglichsten Teile der
mediterranen Bergwelt entdecken.
Rund 700.000 Passagiere zählt die Bahn pro Jahr. Die Hälfte
davon sind Touristen.
Neben der Eisenbahn lieben die Korsen natürlich auch ihre Haustiere.
Da sie ja auf einer überschaubaren Insel leben, dürfen die meisten
auch frei herumlaufen. Dies betrifft auch Kühe, Bullen, Schweine
und Ziegen. Die haben wenig Vorstellung von Straßen- oder Bahnverkehr
und schon gar keinen Fahrplan. Es kommt so auch immer mal wieder zu Begegnungen
auf Gleis und Straße.
Quelle: Schröder/Pagenstecher
Korsika
Verlag Martin Velbinger, Gräfeling
München 1990
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